MOVIE | Monsieur Claude und seine Töchter

„Wollen wir ins Kino gehen?“

„Oh ja! Es läuft Katakomben so ein Zombie-Grusel-Ding im Pariser Untergrund oder Erlöse uns von dem Bösen wo ein Cop besessen wird, ist vom gleichen Regisseur wie der Exorzismus von Emely Rose!“

„Also ich glaube, das ist nicht so meins. Ich dachte eher an Monsieur Claude und seine Töchter.“ sagte meine Mutter und holte sich ein bestätigendes Nicken von meinem Dad.

Nun gut, dann eben eine Familienkomödie, weil ich sie so lieb habe und die beiden immer eine extra große Tüte Popcorn für mich springen lassen 😉 Ich dachte die Geschichte wäre schnell erzählt, so wie es bei RomComs und Familienschinken eigentlich immer der Fall ist und so ganz unrecht habe ich auch bei diesem Film nicht, trotzdem kam es anders als ich es erwartet hatte.

„Sind wir nicht alle ein bisschen rassistisch?“

Monsieur Verneuille, wie der gute Claude mit Nachnamen eigentlich heißt, ist Notar und lebt mit seiner Frau Marie auf einem hübschen herrenhausähnlichen Anwesen in Chinon. Das katholische Ehepaar hat vier wunderschöne und beruflich erfolgreiche Töchter großgezogen, für die sie sich natürlich nur das beste wünschen. In ihren Augen wäre das ein ebenso erfolgreicher, katholischer, französischer Ehemann. Doch die Mädels haben ihren eigenen Kopf und verheiraten sich mit einem Chinesen, einem Juden und einem Moslem. Als die jüngste der vier Schwestern nun auch noch einen Dunkelhäutigen zum Mann nehmen will eskaliert es in der Multikulti-Sippe. Die Mutter verfällt in  Depressionen, der Vater will sich scheiden lassen, Schwestern und Schwager versuchen der Jüngsten die Hochzeit auszureden.

„Kommen Jacky Chan und Arafat auch?“

Soweit die Story, doch was mich dann doch gepackt hat ist der schön politisch unkorrekte Humor, den dieser Film zu bieten hat. Wenn Jude und Moslem gemeinsam über den Chinesen lästern, wenn Papa fest behauptet Gaulist zu sein statt Rassist und die Ehefrau den muslimischen Mann vor der nächsten Familienfeier eingehend bittet bei den Wörtern „Immigrant und Kriminalität“ einfach weg zuhören, dann trifft es den aktuellen Zeitgeist genau auf den Punkt und bei uns jagte ein Lachflash den nächsten. Natürlich wollen wir uns alle als tolerant bezeichnen, als eine Gesellschaft, in der wir andere Religionen tolerieren. Aber mal ehrlich, mehr als Toleranz ist es nicht, oder würde jeder auch eine Person mit anderem Glauben und Kultur im engsten Familienkreis akzeptieren? Mit dem erhofften Charme, den viele französische Filme mit sich bringen, thematisiert „Monsieur Claude und seine Töchter“ genau diese Spannung zwischen Toleranz und Akzeptanz und auch wenn man sich bei den ersten Fettnäpfchen noch auf die Zunge beißt, kann man bald ungeniert mitlachen und entdeckt sich in dem ein oder anderen Moment vielleicht sogar wieder.

Daher ist „Monsieur Claude und seine Töchter“ mein Filmtipp für euch. Am besten gemeinsam mit vielen Freunden unterschiedlichster Kulturen schauen oder mal wieder die ganze Familie zu einer extra großen Tüte Popcorn überreden.

Noch mehr Filmtipps findet ihr >> hier.

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